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Thema: Neue Blutwerte ! Bitte um Hilfe !

  1. #11
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    Standard AW: Neue Blutwerte ! Bitte um Hilfe !

    Hallo Ness!

    Zitat Zitat von Ness Beitrag anzeigen
    Ich finde den ft4-Referenzbereich etwas schräg. Hast du die Originallaborbefunde und steht da zufällig ECLIA beim fT4, bei 0,9-2,0 oder 0,8-2,0 oder beide Male? Waren das unterschiedliche Labore oder hat ein Labor seine Referenzbereiche geändert?
    Ein fT4-Referenzbereich von 0,8 - 2,0 ng/dl oder auch 0,9 - 2,0 ng/dl ist nicht "schräg", sondern das sind beides valide Referenzbereiche, die die jeweiligen Labore sicher nicht ohne Grund so festgelegt haben.

    Denn nur weil Roche als Hersteller von ECLIA-fT4-Assays in der Packungsbeilage einen Referenzbereich von 0,93 - 1,7 ng/dl angibt, heißt das noch lange nicht, dass es sinnvoll ist, dass Labore, die diese Testassays verwenden, auf jedem Fall den vom Hersteller angegebenen Referenzbereich übernehmen.

    Ganz im Gegenteil - Labore sind nach den Richtlinien für Qualitätssicherung sogar dazu verpflichtet, die Referenzbereiche vom Assayhersteller (oder auch Referenzbereiche, die aus anderen Quellen wie Fachliteratur/Studien stammen) kritisch auf die Eignung für das lokale Patientengut in ihrem Labor zu überprüfen und - falls erforderlich - einen laboreigenen Referenzbereich zu bestimmen.
    Da es aber aus den geschilderten Gründen nicht zulässig ist – ja für Patienten sogar gefährlich sein kann – einfach ein anderweitig publiziertes Referenzintervall zu übernehmen, muss dessen Eignung als Bezugspunkt in jedem Fall überprüft werden. Um dies zu tun, schlägt die IFCC folgendes Verfahren vor:

    Es werden 20 lokale Referenzproben genommen und mit dem anderweitig publizierten Referenzintervall verglichen. Sind nicht mehr als 2 der 20 Proben außerhalb dieses Intervalls, kann es verwendet werden. Sind 3–4 Proben außerhalb des Referenzintervalls, müssen weitere 20 neue Proben genommen werden. Sind hier nicht mehr als 2 der 20 Proben außerhalb des Intervalls, kann es genutzt werden. Sind hier wiederum mehr als 2 oder gleich zu Beginn 5 oder mehr Proben außerhalb des publizierten Intervalls, ist es für die Verwendung als Bezugspunkt für das lokale Patientengut nicht geeignet. Als Alternative bleiben die Neuerhebung (siehe oben) oder die Validierung eines anderen, abweichenden Referenzintervalls.
    Quelle: https://www.sysmex.de/fileadmin/medi...nzbereiche.pdf

    Typischerweise werden Referenzbereiche für quantitative Laborverfahren aus den Packungsbeilagen der Hersteller von In-vitro-Diagnostika (IVD) oder aus der aktuellen Literatur übernommen. Da nicht zwangsläufig davon auszugehen ist, dass das Referenzkollektiv, an dem diese Bereiche bestimmt wurden, dem Patientenklientel des eigenen Einsenderpools entspricht, müssen diese Angaben im Labor kritisch überprüft werden.
    [...]

    Rili-BÄK und ISO 15189

    Die Rili-BÄK verpflichtet Laboratorien in den Abschnitten 6.2.3 und 6.3.2 zur Festlegung von Referenzintervallgrenzen. Das Labor muss zu allen Parametern dokumentieren, aus welchen Quellen diese Referenzbereiche stammen (zum Beispiel Fachliteratur, Produktinformation des Assayherstellers) und ob sie möglicherweise angepasst worden sind. Referenzbereiche werden typischerweise als zentrales 95%-Intervall der Messwerte einer gesunden Personengruppe angegeben, reichen also von der 2,5. bis zur 97,5. Perzentile.

    In der DIN/EN/ISO 15189 wird im Abschnitt 3.4 der Begriff „biologisches Referenzintervall“ definiert. In den Abschnitten 5.4.2, 5.5.2, 5.5.3 und 5.8.3 fordert diese Norm ihre Dokumentation, Verwendung und regelmäßige Überprüfung. Eine Eigenerstellung von Referenzbereichen an gesunden Kollektiven wird nicht verlangt.

    Bei den meisten Untersuchungsverfahren kommen kommerziell verfügbare In-vitro-Diagnostika (IVD) zum Einsatz, deren Spezifikationen laut EU IVD Regulation [4] Angaben zu den Referenzintervallen enthalten sollen. Wird im Labor ein neuer Test eingeführt oder ein bestehender Test modifiziert, so sollte im Rahmen der Verifizierungsaktivitäten zeitgleich auch eine erste Überprüfung erfolgen, ob die Ergebnisse Gesunder im angegebenen Referenzintervall liegen.

    Ähnlich verhält es sich bei der Validierung von Inhouse-Methoden oder modifizierten IVD. Hier sind die „Allgemeinen Sicherheits- und Leistungsanforderungen“ gemäß Anhang I der IVD-Verordnung (EU) 2017/746 zu erfüllen. Diese Überprüfung sollte nach Einführung des Verfahrens fortgeführt und beim nächsten Audit überprüft werden.

    Direkte und indirekte Verfahren

    Bei einem Teil der Untersuchungsverfahren zeigt es sich regelhaft, dass die vom IVD-Hersteller bereitgestellten Referenzintervalle nicht für das eigene Patientengut geeignet sind. In diesem Falle muss die Bestimmung im Labor selbst erfolgen, wenn keine analytischen Ursachen für die Abweichungen verantwortlich sind.

    Hierzu gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten: die direkte Ermittlung in einer gesunden Referenzpopulation oder die indirekte Berechnung aus Datensätzen, die routinemäßig in medizinischen Laboratorien anfallen [1]. Bei den direkten Verfahren erfolgt die Definition der „offensichtlich Gesunden“ nach klinischen, bei den indirekten Verfahren nach statistischen Gesichtspunkten (vgl. dazu Abb. 1).

    Für das indirekte Verfahren hat die Arbeitsgruppe Richtwerte eine Software (Reference Limit Estimator, RLE) entwickelt, die die indirekte Ermittlung und Überprüfung von Referenzintervallgrenzen deutlich erleichtert [5]. Das Programm ist sowohl als Stand-alone-Version verfügbar als auch in einigen Laborinformations*systemen (iSolutions, OSM) enthalten.

    Unter Umständen ist hier ein multizentrischer Ansatz von Vorteil, um die Fallzahlen zu erhöhen. Dabei sollten aber die beteiligten Laboratorien ein vergleichbares Patientenklientel aufweisen. Ein angemessener Stichprobenumfang sollte bei direkten Verfahren nach CLSI 120 Proben pro Subkollektiv nicht unterschreiten (CLSI-Standard EP28-A3c). Der RLE benötigt für das indirekte Verfahren ca. 4.000 Werte [5].

    Um die generelle Vergleichbarkeit von Laboruntersuchungen zu gewährleisten, sollte die Bestimmung laboreigener Referenzbereiche allerdings nur dann zum Einsatz kommen, wenn die national oder international verfügbaren Daten aufgrund eigener Überprüfungen nicht geeignet sind. Daher sollte vor der Neuerstellung eigener Referenzbereiche stets überprüft werden, ob eine Anpassung an das eigene Laborklientel erforderlich ist.
    Quelle: https://www.trillium.de/zeitschrifte...hen-labor.html

    Siehe außerdem: https://www.degruyter.com/document/d...2018-0500/html

    Liebe Grüße
    Jutta

  2. #12
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    Standard AW: Neue Blutwerte ! Bitte um Hilfe !

    Hallo peppoderwilde!

    Lässt sich anhand des Prolaktinwertes das aktuelle Schilddrüsengeschehen festmachen ?
    Ja, dein hochnormales TSH passt zu deinem ebenfalls hochnormalem Prolaktin.

    Die Produktion und Ausschüttung von TSH durch die thyreotropen Zellen der Hypophyse wird wird nämlich vom Hypothalamus durch TRH (TSH-Releasing-Hormone) stimuliert. Ebenso wird die Produktion und Ausschüttung von Prolaktin durch die laktotrophen Zellen der Hypophyse vom Hypothalamus durch TRH stimuliert.

    Sieht sich der Hypothalamus wegen SD-Hormonmangel veranlasst, die Hypophyse mittels erhöhter TRH-Ausschüttung zu einer vermehrten Produktion und Ausschüttung von TSH zu stimulieren, so hat dies zur Folge, dass gleichzeitig auch die Produktion und Ausschüttung von Prolaktin stimuliert wird. Eine durch Unterdosierung von LT unzureichend behandelte Hypothyreose (worauf dein hochnormales TSH hindeutet) kann daher auch zu einem Anstieg des Prolaktinspiegels führen, was dann wiederum zu Sexualhormonstörungen führen kann.

    Ein hoher Prolaktinspiegel stört und hemmt nämlich die pulsierende Ausschüttung der Gonatropine LH und FSH durch die Hypophyse und kann daher einen sekundären Hypogonadismus zur Folge haben, welcher sich beim Mann durch eine verminderte Testosteronproduktion und Testosteronmangel äußert.
    Ich hätte da noch eine Frage zu meinem Blutbild.

    Mein Testosteron-Wert befindet sich innerhalb der Norm, ebenso das SHGB.
    Bei dir wurde das Gesamt-Testosteron (= gebundenes Testosteron + freies (ungebundenes) Testosteron) im Blut bestimmt, welches mit 345 ng/dl im niedrig-normalen Bereich lag.

    Problem bei der Bestimmung von Gesamt-Testosteron: der Wert sagt alleine herzlich wenig darüber aus, ob du auch genug freies Testosteron zu Verfügung hast. Denn Testosteron liegt im Blut zu ~ 97 - 99 % gebunden an Transporteiweiße (SHBG und Albumin) gebunden vor, nur ~ 1 - 3 % sind frei.

    Und genauso wie bei den SD-Hormonen gilt auch bei Testosteron: ausschließlich das freie (nicht an die Transporteiweiße SHBG und Albumin gebundene) Hormon im Blut ist bioverfügbar und stoffwechselaktiv. Denn nur in freier Form können die Hormonmoleküle durch die Wände von Kapillaren hindurch in den Zellzwischenraum von Geweben/Organen diffundieren und zellulär aufgenommen werden (um dann dort an Rezeptoren an und in den Zellen ihre Stoffwechselwirkung durch Bindung an Rezeptoren zu entfalten).

    Noch an Transporteiweiße gebundene Hormonmoleküle können dies nicht, weil die Transportproteinmoleküle viel zu groß sind, um durch die Wände von Kapillaren hindurchzupassen. Gebundenes Testosteron im Blut ist daher (genauso wie gebundene SD-Hormone) nicht bioverfügbar und damit stoffwechselinaktiv.

    Man könnte nun zwar auch das freie Testosteron im Blut direkt bestimmen und gucken, wie der Wert bei dir ist - allerdings ist die Bestimmung umstritten, weil die kommerziellen Tests zur direkten Bestimmung des freien Testosterons angeblich häufig fehlerhafte Messergebnisse liefern. Häufiger wird daher die Index-Methode verwendet, bei der man aus der Menge an Gesamt-Testosteron und SHBG im Blut den freien Anteil von Testosteron im Blut errechnet.
    Der freie Androgenindex wird, laut Recherche, aus diesen beiden Werten rechnerisch ermittelt.
    Richtig, das geht mit Hilfe einer speziellen Formel.
    Der Androgenindex liegt jedoch außerhalb der Norm. Wie kann ich das ganze verstehen ? Liegt hier ein Mangel vor oder ist dieser Wert zu vernachlässigen ?
    Da dein freier Androgenindex erniedrigt ist, bedeutet das, dass du zu wenig freies Testosteron im Blut hast. Und ja, hier liegt ein (leichter) Testosteronmangel vor, den man natürlich in Anbetracht deiner Beschwerden auch nicht vernachlässigen sollte.

    Statt Testosteron zu substituieren, solltest du allerdings erst einmal versuchen, die LT-Dosis zu erhöhen, um deine fT-Werte anzuheben und TSH - und damit hoffentlich auch Prolaktin - zu senken. Denn es wäre sehr gut möglich, dass der Testosteronmangel bei dir an einem sekundären Hypogonadismus aufgrund von zu wenig SD-Hormonen liegt (siehe auch: Testicular dysfunction in men with primary hypothyroidism; reversal of hypogonadotrophic hypogonadism with replacement thyroxine, Donelly et. al, 2001, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/...=nlm%3Apubmed; Hypoandrogenaemia is associated with subclinical hypothyroidism in men, Kumar et. al, 2006, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/...5.2006.00705.x ).

    Außerdem wäre es ratsam, dass du deinen Vitamin D-Mangel durch konsequente Einnahme von Dekristol behebst (ich würde erst einmal 2 x 20.000 IE pro Woche empfehlen, Kontrolle von 25-OH-D3, Calcium und Parathormon nach 4 Monaten Einnahme), denn auch der Vitamin D-Mangel könnte mit zum Testosteronmangel bei dir beigetragen haben (siehe: Effect of Vitamin D Supplementation on Testosterone Levels in Men, Pilz et. al, 2011, https://www.thieme-connect.com/produ...s-0030-1269854 )

    Außerdem könnte Vitamin D (+Magnesium + B-Komplex + Omega 3) dir vielleicht auch hinsichtlich deines Unwirklichkeitsgefühls helfen - so zumindest die Erfahrung dieses jungen Mannes hier mit Depersonalization/Derealization Disorder: https://www.youtube.com/watch?v=xXfTKkEuj3c

    Liebe Grüße
    Jutta

  3. #13
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    Standard AW: Neue Blutwerte ! Bitte um Hilfe !

    @Jutta K.
    Roche ist einer der wenigen Hersteller, die transparent machen, wie sie auf die eigenen Referenzbereiche kommen. Und neuere Studien, die dieser Hersteller in Auftrag gegeben hat, kamen bei Gesunden eher auf eine niedrigere Referenzbereichsobergrenze als die 1,7 ng/dl in der Packungsbeilage. Das waren jedesmal Referenzpopulationen aus Deutschland. Was soll an einem Patientenkollektiv in Deutschland anders sein, als in diesen teils sehr großen Kohorten? Es könnte sein, dass ein einzelnes Labor ein Gerät erwischt hat, dass tatsächlich höher misst, als die meisten anderen des Herstellers; aber dann müsste doch auch die Untergrenze höher ausfallen?

    Was du zitierst, stimmt, hat aber einen systematischen Fehler: es werden zur Überprüfung der Herstellerangaben meist Proben genommen, für die die Bestimmung des Analyts angefordert war.* Und beim fT4 werden das im oberen Bereich die Proben derer sein, denen der Arzt die LT-Einnahme vor Blutentnahme angeordnet hat. Da helfen auch keine statistischen Verfahren zur Ausreißerbestimmung mehr. Und daher finde ich die Obergrenze zur Beurteilung eines fT4-Wertes vor Tabletteneinnahme schräg.

    *man könnte auch die Proben aus Routineuntersuchungen nehmen und in diesen fT4 nachbestimmen, da wäre man zumindest die Verzerrung los, die sich dadurch ergibt, dass nur bei wenigen der fT4-Wert routinemäßig angefordert wird.
    Geändert von Ness (21.04.22 um 23:36 Uhr) Grund: Verschrieben und *

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