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Thema: Erstdiagnose und ratlos angesichts meiner Werte

  1. #1
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    Frage Erstdiagnose und ratlos angesichts meiner Werte

    Hallo an alle,

    gestern habe ich (33) die Diagnose Morbus Basedow erhalten. Eigentlich durch Zufall, Symptome habe ich keine. Auf Grund meines Kinderwunsches fiel während einer normalen Blutkontrolle ein erniedrigter TSH-Wert auf. Es folgte dann eine Abklärung in der Nuklearmedizin. Der Bericht der Nuklearmedizin liegt mir seit gestern vor. Seither habe ich schon viel im Forum hier gelesen 😉

    Sonographie: Vergrößertes Reflexmuster, leicht echoarm. Flauer echoarmer Herd ovalär zentral bis kranial links 8 x 4 mm. Keine suspekten Knoten oder angrenzende Lymphknoten.

    Szintigraphie: Orthotope, grenzwertig große, gering asymmetrische Schilddrüse. Weitgehend volumenentsprechende, relativ kräftige Nuklidaufnahme. Kein fokales Speichermaximum. TC-Uptake leicht erhöht 1,9% (46% rechts, 54% links).
    Schilddrüsen-Werte:

    Ft3 3,9 (normal)
    Ft4 1,3 (normal)
    TSH-basal 0,04 (supprimiert)
    TSH nach TRH 0,67 (negativer Test)
    TPO-AK 11,3 (normal)
    TRAK 10,3 (erhöht)

    Leider sind auf dem Bericht keine Referenzwerte angegeben, sondern nur diese Beurteilungen in der Klammer. Ich will aber versuchen, die Referenzwerte noch zu erfragen. Leider ist es fast unmöglich diese Praxis telefonisch zu erreichen.

    Therapievorschlag: 5mg Carbimazol, Überprüfung in 4 – 6 Wochen. Auslassversuch in 12 – 15 Monaten.

    Den Befund konnte ich nur mit meinem Hausarzt besprechen. Dieser sagt, die Medikation sei dringen nötig, die Diagnose eindeutig, die Werte würden sich über kurz oder lang verschlechtern. Kinderwunsch könnte ich mir erstmal abschminken. Ich möchte nicht anzweifeln, dass der Radiologe weiß, was er tut. Und selbstverständlich muss der Kinderwunsch jetzt erstmal pausieren, ich will mein potentielles Kind nicht gefährden. Aber ehrlich gesagt fühle ich mich gar nicht gut aufgeklärt.

    Ich schätze die Werte/den Befund so ein, dass es sich eher um einen beginnenden oder leichten MB handelt? Stimmt es, was mein Hausarzt sagt, und die Werte werden zwangsläufig schlechter? Welchen Wert möchte man denn mit der Medikation erreichen? Ich dachte, es geht vor allem um eine Normalisierung der freien Werte. Aber wenn diese doch normwertig sind, gerate ich dann nicht sofort in eine Unterfunktion? Mein Hausarzt sagte darauf nur, ft3 und ft4 seien egal. Im Forum lese ich anderes. Ich habe eine Vorgeschichte mit Depressionen und mache mir deshalb wegen einer Unterfunktion schon Sorgen.

    Ich bin so unsicher und verwirrt (und kann die Diagnose auch noch nicht so gut akzeptieren 😉 ) Wie schätzt ihr meinen Befund und die Therapieempfehlung ein?

    Danke für eure Zeit und viele liebe Grüße
    Mira

  2. #2
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von panna
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    Standard AW: Erstdiagnose und ratlos angesichts meiner Werte

    Zitat Zitat von Lalila Beitrag anzeigen
    Ich schätze die Werte/den Befund so ein, dass es sich eher um einen beginnenden oder leichten MB handelt? Stimmt es, was mein Hausarzt sagt, und die Werte werden zwangsläufig schlechter?
    Das ist richtig, mit dem beginnend und leicht, ob und wie schlecht sie werden, muss man abwarten. Bei einer latenter Überfunktion, die du offensichtlich hast, kann man natürlich auch abwarten, um nicht überflüssigerweise zu hemmen. MB ist an sich eine selbstlimitierende Krankheit, und sofern man nicht an einer heftigen Überfunktion stirbt, vergeht ein MB-Schub irgendwann auch von selbst (um dann mit großer Wahrscheinlichkeit wiederzukehren). Hättest du den Kinderwunsch nicht, könntest du dich auf den Standpunkt stellen, dass du eben abwartest - entweder bleibt der MB mild oder wenn nicht, dann steigst du mit dem Hemmer ein, sobald die freien Werte wirklich steigen.

    Was die Hemmertherapie leistet, ist einerseits die reine Zähmung der Symptome, der hohen Werte, andererseits aber entsteht hierdurch auch ein gewisser immunmodulierender Effekt - und sei es bloß dadurch, dass man Ruhe im Organ erzwingt, d.h. die Produktion hemmt.

    Das Problem bei dir ist natürlich der Kinderwunsch. Klar kannst du abwarten, es gibt dann zwei Szenarien:
    1. Der MB bleibt mild und irgendwann gehen die TRAK zurück, in der Phase kann man versuchen, schwanger zu werden. Allerdings ist die Schwangerschaft eine Risikosituation im 1. Trimester, MB kann mit Vorliebe genau dann, in der Organbildungsphase, auftauchen. Das ist eher ungut.

    2. Der MB bleibt nicht mild, du machst eine einjährige Hemmertherapie, die Remissionschancen sind kurzfristig (innerhalb des ersten Nachtherapie-Jahres) so um ca. 50%, danach geringer (d.h. Rezidive kommen entweder im ersten Jahr nach Therapie oder eben später) - und falls die TRAK negativ sind - siehe Punkt 1 ... es läuft genauso weiter.

    Es gibt einen möglichen Kompromiss: Du versuchst die Sache jetzt abzufangen, nur 2-3 Wochen mit 5 mcg Carbi (deine freien Werte sind schon ein wenig höher geraten, wenn ich das richtig einschätze ohne Referenzbereich), danach evtl. senken, wenn Ruhe einkehrt oder eben erhöhen, wenn nicht.

    Oder du lässt es jetzt laufen und hemmst erst, wenn die 'Werte über die Norm klettern, dann weißt du, dass es wirklich nötig ist.

    Welche Option du wählst, bleibt dir überlassen. Es gibt einen kleinen Wink mit dem Zaunpfahl, und der Zaunpfahl heißt TRAK: der Wert ist nicht wirklich gerade mal eben erhöht, sondern eindeutig.

    Die dritte Option ist die schnellste aber auch brutalste Lösung: Bei Kinderwunsch Totaloperation. Die TRAK gehen schnell zurück. Das ist wichtig, weil sie ja plazentagängig sind, genauso wie die Hemmer. Erst in höherer Dosierung und die TRAK auch ca. erst ab dem Wert 5, aber man weiß eben nicht, welche Dosierung nötig sein wird, und was die TRAK machen, daher gibt es in diesem Zustand erstmal nur die Wahl, dass du verhütest. Die OP-Option würde ich nicht nur, aber insbesondere dann überlegen, wenn du mehr als ein Kind haben möchtest. Denn nach einer Geburt klopft der MB meist wieder an, bedroht das Stillen und ein zweiter Schub erhöht das Risiko weiterer Schübe.

    Hier noch dies und jenes zum Stöbern, manche Links sind veraltet, es kamen dann aber später neuere dazu:
    https://www.ht-mb.de/forum/showthrea...en-Richtlinien
    Geändert von panna (22.09.21 um 21:31 Uhr) Grund: Mehrfach korrigiert

  3. #3
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    Standard AW: Erstdiagnose und ratlos angesichts meiner Werte

    Zitat Zitat von Lalila Beitrag anzeigen

    Leider sind auf dem Bericht keine Referenzwerte angegeben, sondern nur diese Beurteilungen in der Klammer. Ich will aber versuchen, die Referenzwerte noch zu erfragen. Leider ist es fast unmöglich diese Praxis telefonisch zu erreichen.

    Therapievorschlag: 5mg Carbimazol, Überprüfung in 4 – 6 Wochen. Auslassversuch in 12 – 15 Monaten.
    Wie Panna schon schrieb, da sind eher zwei Wochen angemessen - bis dahin wäre die Wirkung bereits voll angekommen. Und die Kontrolle wäre ja auch nötig, da das Ganze ein Grenzfall ist. Wenn gleich am Anfang seltener kontrolliert wird, geht es womöglich darum, Laborkosten zu sparen.

    Lies dir unbedingt Pannas Einführungsbeitrag durch. Wenn du mehr Input willst, kauf dir das Basedow-Buch von Brakebusch & Heufelder oder / und mein Buch zur Überfunktion.

    Ich persönlich würde bei freien Werten in der Norm und unbekanntem Referenzbereich nicht mit Hemmern anfangen, sondern verstärkt auf jodarme Ernährung achten. Und bald wieder kontrollieren.

    Seltsam, dass die freien Werte bei einem TRAK-Wert um 10 nicht erhöht sind.

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