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Thema: Aktiver MB trotz SD Entfernung nach so vielen Jahren?

  1. #1
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    Standard Aktiver MB trotz SD Entfernung nach so vielen Jahren?

    Hallo liebe Gruppe,

    seid einiger Zeit fühle ich mich nicht so gut. Ich habe es auf meine Schmerzsituation geschoben (Spinalkanalstenose und Arthrose in den Facettengelenken).

    Nun war ich vor drei Wochen deswegen beim operieren. Rücken ist wieder ok derzeit. Allerdings habe ich ein Depotcortison bekommen, und mir gehts richtig schlecht.
    Habe Herzklopfen bei der kleinsten Anstrengung und nachts im Bett ebenso. Keine Kraft in den Beinen, sofort ausser Atem. Ich fühle mich wie in einer absoluten Unterfunktion. Klosgefühl im Hals, obwohl die SD komplett entfernt wurde. Zunge und Gaumen brennen, teilweise ein bitterer Geschmack.
    Operiert wurde unter einem Bildgebenden verfahren und ich habe angegeben, das bitte kein Jodhaltiges Kontrastmittel benutztwerden darf. Sicher ist sicher, dachte ich mir. Ich weis jetzt auch nicht ob überhaupt eines benutzt wurde. Memo an mich: In der Praxis anrufen und nachfragen.

    Hat hier jemand schonmal so auf Cortison reagiert? Ich kenne das eigentlich von meinen Stoßtherapien vor Jahren nur so, das es mir sehr gut ging. Ich lief wochenlang über die Uhr. War leistungsfähig wie in jungen Jahren

    Zweiter möglicher(?) Auslöser, evtl meine Impfung mitte Mai? Bin mit J&J geimpft worden. Keinerlei Probleme. Hat jemand schon davon gehört das wochen danach irgendwas reagiert? Ich glaubs eigentlich nicht.

    Blut habe ich vorgestern her gegeben. Trotz meiner Bitte alle Werte incl. Trak zu testen, wird jetzt nur T4 und TSH wert getestet, obwohl ich meine Tabletten genommen hatte. Habe auch darauf hingewießen. Die HÄ meinte aber, wenn was entgleist, dann sieht sie das eben auch wenn ich die Tabl genommen habe. Ergebniss sollte heute kommen. Bin gespannt.

  2. #2
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    Standard AW: Aktiver MB trotz SD Entfernung nach so vielen Jahren?

    Hallo Gabriela,
    alle Symptome, die du beschrieben hast, kenne ich bei Cortisoneinnahme. Ich war durch eine Cortisonstosstherapie mit wöchentlich 250 mg im ganzen Zeitraum deshalb arbeitsunfähig. Nach Beendigung der Gabe ging es dann langsam wieder besser.
    Auch bei oraler und niedriger Dosierung habe ich die gleichen Symptome gehabt, aber etwas weniger intensiv.
    Ich wuensche dir gute Besserung!

  3. #3
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    Standard AW: Aktiver MB trotz SD Entfernung nach so vielen Jahren?

    Hallo Gabriela!

    Habe Herzklopfen bei der kleinsten Anstrengung und nachts im Bett ebenso. Keine Kraft in den Beinen, sofort ausser Atem.
    Das sind recht typische Nebenwirkungen vom Depotcortison. Cortison ist die synthetische Form von dem Nebennierenhormon Cortisol, und das ist ein STRESSHORMON. Dementsprechend reagiert dein Körper auch genauso wie bei Stress. Cortison puscht sehr auf, weil es eine verstärkende Wirkung auf andere Stresshormone (Noradrenalin und Adrenalin) hat. Daher kommt es bei einer Cortisontherapie häufig zu vermehrten Stress-Symptomen wie Herzklopfen, Blutdruckanstieg, beschleunigte Atmung, Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung, Unruhe, Nervosität, Gereiztheit, Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit. Cortison beeinflusst außerdem häufig auch sehr die Psyche - es kann zu euphorischen Zuständen, Angstgefühlen oder Depressionen kommen.

    Die Muskelschwäche in den Beinen ist ebenfalls eine sehr typische Cortison-Nebenwirkung, denn zum einen verursacht das Cortison Muskelschwund aufgrund eines verstärkten Abbaus von Muskeleiweiß, zum anderen verursacht es eine verstärkte Ausscheidung von Magnesium und Kalium über die Nieren. Magnesium und Kalium sind beides sehr wichtige Mineralstoffe, die für die normale Funktion von Muskeln, Nerven und auch für die Herz-Kreislauf-Funktion dringend gebraucht werden. In Folge der erhöhten Kaliumausscheidung kann es bei der Cortisontherapie übrigens auch zu Herzrhythmusstörungen kommen.
    Ich fühle mich wie in einer absoluten Unterfunktion.
    Du meintest wohl: wie in einer absoluten Überfunktion, oder?

    Aber nein, auch wenn es sich wie eine Überfunktion anfühlt: das ist sicherlich keine Überfunktion, sondern das sind eben die Nebenwirkungen von dem Depotcortison. Darum: keine Panik, ruhig bleiben. Nimm einfach deine gewohnte Dosis an Schilddrüsenhormonen weiter und warte ab, bis die Wirkung von dem Depotcortison nachlässt, denn dann werden auch die Nebenwirkungen nachlassen. Da du wahrscheinlich Triamcinolon bekommen hast (so heißt der Wirkstoff in gängigen Depotcortisonpräparaten), solltest du damit rechnen, dass die Wirkung ca. 3 Wochen anhalten wird.

    Zur zwischenzeitlichen Linderung deiner Beschwerden würde ich dir empfehlen, hochdosiert Magnesium einzunehmen (2-3 mal täglich 300 mg Magnesium aus Magnesiumoxid oder -carbonat oder 1-2 mal täglich 300 mg aus Magnesiumcitrat einnehmen) und dich außerdem möglichst kaliumreich zu ernähren. Viel Kalium ist z. B. in Grünkohl, Spinat, Feldsalat, Mangold, Brokkoli, Blumenkohl, Kartoffeln, Tomaten, Bananen, Aprikosen, Erdbeeren, Mandeln, Obst- und Gemüsesäfte, Trockenobst.

    Falls trotzdem Herzrhythmusstörungen auftreten sollten, sprich bitte deinen Arzt darauf an, dass er den Kaliumspiegel im Serum bei dir bestimmen soll und dir - wenn der Kaliumspiegel zu niedrig sein sollte - ggf. ein Kaliumpräparat zur vorübergehenden Einnahme verschreibt.
    Klosgefühl im Hals, obwohl die SD komplett entfernt wurde.
    Die SD ist zwar komplett entfernt, aber die Nerven und die Blutgefäße, die sie einst versorgt haben, sind noch da. Und die reagieren weiterhin auf Stress/Stresshormone, auch wenn die SD selbst weg ist. Daher kann es auch ohne SD zu so einem Kloßgefühl kommen.
    Zunge und Gaumen brennen, teilweise ein bitterer Geschmack.
    Das kenne ich nicht als typische Nebenwirkung von Cortison. Aber nimmst du noch anderen Medikamente wie z. B. Schmerzmittel oder Magenschutzmittel (Pantoprazol oder Omeprazol)? Wenn ja, kommt das möglicherweise von diesen Medikamenten. Durchforste mal die Beipackzettel.
    Operiert wurde unter einem Bildgebenden verfahren und ich habe angegeben, das bitte kein Jodhaltiges Kontrastmittel benutztwerden darf. Sicher ist sicher, dachte ich mir. Ich weis jetzt auch nicht ob überhaupt eines benutzt wurde. Memo an mich: In der Praxis anrufen und nachfragen.
    Du hast keine SD mehr, daher kannst du aus Jod keine Schilddrüsenhormone mehr bilden. Selbst wenn du also ein jodhaltiges Kontrastmittel bekommen hättest, hätte das keinerlei Auswirkungen auf deine SD-Hormonspiegel und kann keine Überfunktion verursachen.
    Hat hier jemand schonmal so auf Cortison reagiert?
    Ja, hab genauso wie du reagiert, als ich wegen eines schweren Bandscheibenvorfalls mehrmals Triamcinolon gespritzt bekam. Dauerte jeweils ca. 3 Wochen, bis die Nebenwirkungen nachließen. War blöd und nervig, aber doch zu überstehen.
    Ich kenne das eigentlich von meinen Stoßtherapien vor Jahren nur so, das es mir sehr gut ging. Ich lief wochenlang über die Uhr. War leistungsfähig wie in jungen Jahren
    Bei einer Stoßtherapie mit Tabletten oder Infusion wird üblicherweise Prednisolon oder Prednison eingesetzt. Das sind zwar auch Cortison-Präparate, wirken aber meiner Erfahrung nach ganz anders als das Depotcortison Triamcinolon. Bei Predisolon/Prednison hatte ich auch nie so starke Nebenwirkungen wie bei Triamcinolon.
    Zweiter möglicher(?) Auslöser, evtl meine Impfung mitte Mai? Bin mit J&J geimpft worden. Keinerlei Probleme. Hat jemand schon davon gehört das wochen danach irgendwas reagiert? Ich glaubs eigentlich nicht.
    Da deine Beschwerden voll und ganz durch das Cortison erklärbar sind, glaube ich auch nicht, dass die Impfung die Beschwerden verursacht, vor allem nicht erst Wochen später.
    Blut habe ich vorgestern her gegeben. Trotz meiner Bitte alle Werte incl. Trak zu testen, wird jetzt nur T4 und TSH wert getestet, obwohl ich meine Tabletten genommen hatte. Habe auch darauf hingewießen. Die HÄ meinte aber, wenn was entgleist, dann sieht sie das eben auch wenn ich die Tabl genommen habe. Ergebniss sollte heute kommen. Bin gespannt.
    Die Blutwerte werden nicht wirklich brauchbar sein. Zum einen, weil du die Tabletten vorher genommen hast (dadurch wird fT4 höher ausfallen als sonst), zum anderen weil auch das Cortison die Schilddrüsenwerte beeinflusst. Cortison hemmt bekanntermaßen die TSH-Ausschüttung der Hypophyse und hemmt auch die Umwandlung von T4 zu T3 und führt (wegen der geringeren Umwandlung) oftmals zu einem Anstieg von fT4.

    Darum bitte nicht wundern, wenn dein TSH niedrig (evtl. supprimiert) und dein fT4 hoch (evtl. etwas erhöht) ist. Von einer Reduktion deiner LT-Dosis würde ich an deiner Stelle aber trotzdem absehen, da du damit sehr wahrscheinlich nur noch mehr im Körper durcheinanderbringen würdest (auf eine Dosisreduktion reagiert der Körper häufig mit einer Ausschüttung von MEHR Stresshormonen) und die volle Wirkung der LT-Reduktion ohnehin erst nach ca. 6 Wochen angekommen wäre - also dann, wenn die Wirkung des Cortisons schon lange wieder abgeklungen ist.

    Gute Besserung!

    Liebe Grüße
    Jutta

  4. #4
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    Standard AW: Aktiver MB trotz SD Entfernung nach so vielen Jahren?

    Liebe Karin,

    ganz ganz herzlichen Dank für diese ausführliche antwort. Ich wusste nicht das es solche Unterschiede beim Kortison gibt. Deshalb war ich auch total verunsichert, da ich es eben genau andersrum kenne.
    Meine SD Werte sind soweit i.o. Der Langzeitzucker ist minimal erhöht, denke aber das liegt eben am Kortison. Ein Herzwert ist nicht so ganz ok. Deshalb soll ich nun zum Kardiologen.

    Das Zungen und Gaumenbrennen ist sehr unangenehm. Dieses Fremdkörpergefühl im Hals wird vom HNO Arzt abgeklärt. Man, man...da tritt man eine richtige Lawine los. Aber ich muß das jetz alles agklären lassen.

  5. #5
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    Reißt die Bretter von den Stirnen! Erich Kästner für Erwachsene
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    Standard AW: Aktiver MB trotz SD Entfernung nach so vielen Jahren?

    Ich habe zwar keinen MB, sondern HT, aber jahrzehntelange Erfahrungen mit Kortisonstosstherapie wegen chronischer Polyarthritis.

    Auch mir hat in jungen Jahren /am Anfang Kortison in jeglicher Dosierung oder Art gut getan: Ich war fit und gut gelaunt, belastbar (körperlich wie seelisch), die Entzündungen und damit die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen gingen zurück. Je älter ich werde, desto empfindlicher reagiere ich auf Kortison. Egal ob in der Stoßtherapie oder eher niedriger dosiert, es graust mich, wenn ich wieder mehr als 4mg Urbason/Tag brauche. Ich fühle mich (LT) überdosiert, nervös, hibbelig, weinerlich, schwach, überempfindlich ...... einfach bähhhhh.

    Es kann Wochen dauern, bis sich wieder alles einpendelt. Da hilft nur aussitzen und nicht an noch einer Hormonschraube drehen, wie Jutta K. schon geschrieben hat.. Das Herz ist auch ein Muskel, aber lass das trotzdem lieber vom FA abklären. Langzeitzucker bitte im Auge behalten, Kortison erhöht den BZ-Spiegel generell. Ich habe meinen DM II und die Muskelathropie höchstwahrscheinlich dem Kortison (neben den anderen Basismedikamenten) zu verdanken.
    Geändert von KapscII (15.07.21 um 15:53 Uhr)

  6. #6
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    Standard AW: Aktiver MB trotz SD Entfernung nach so vielen Jahren?

    Ich danke euch sehr für die aufmunternden Worte.
    Es geht mir in der Tat etwas besser. Nur das schwächegefühl ist noch da.

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