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Thema: MORBUS BASEDOW UND ENDOKRINE ORBITOPATHIE: Info für Neumitglieder

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  1. #1
    Benutzer mit vielen Beiträgen Avatar von panna
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    Ausrufezeichen MORBUS BASEDOW UND ENDOKRINE ORBITOPATHIE: Info für Neumitglieder

    Die Probleme neuer Mitglieder sind meist ähnlich. Wir bitten euch, diese Erstinformationen sorgfältig zu lesen, bevor ihr uns Fragen stellt. Es gibt 3 Infobeiträge zu MB:



    Wer keine 08/15- Antworten bekommen will, stellt uns seine Daten im Profil entsprechend zu Verfügung . Die individuelle Beurteilung eurer Werte ist nur möglich, wenn Werte (mitsamt Referenzbereich) und die Hemmer-Dosis, die zu diesen Werten führte, bekannt sind. Werte- und Dosisverlauf (mit genauen Datumsangaben) sollten ins eigene Profil (zu finden im --> Kontrollzentrum) eingetragen werden. Und zwar so: --> BEISPIELE .


    MORBUS BASEDOW (AUSLÖSER, DIAGNOSE, MEDIKAMENTÖSE THERAPIE)

    Morbus Basedow (MB) ist eine Autoimmunkrankheit. Auslöser sind die Autoimmun-Antikörper TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper), die die Schilddrüse (SD) und häufig auch das Fettgewebe um und hinter den Augen sowie die Augenmuskeln angreifen (Endokrine Orbitopathie, EO, Augenbeteiligung). Die Ursachen für die Entstehung der TRAK sind nicht bekannt.

    A U S L Ö S E R_ U N D_ D I E _F O L G E N _ ( Ü B E R F U N K T I O N )

    Die für MB typische Überfunktion wird durch die Autoimmun-Antikörper TRAK (TSH-Rezeptor Antikörper) ausgelöst. Diese Antikörper besetzen diejenigen Rezeptoren in der Schilddrüse, die für das Steuerhormon TSH vorgesehen sind. In gesunden Tagen regelt das Hormon TSH die Produktion der Schilddrüsenhormone T4 und T3. D
    as funktioniert so: Die Hypophyse misst die Menge der im Blut zirkulierenden SD-Hormone T4 und T3. Ist die Menge von T4 und T3 zu gering, schüttet die Hypophyse mehr TSH aus, um so der Schilddrüse das Signal zur Mehrproduktion zu geben. Ist die Menge von T4/T3 zu hoch, drosselt die Hypophyse die Produktion, indem weniger TSH an die Schilddrüse geschickt wird. Wie eine Schaukel: T4+T3 zu hoch --> TSH wird niedrig, und T4+T3 zu niedrig --> TSH wird hoch. So ist es bei Gesunden.

    Bei MB aber verdrängen die Antikörper TRAK das Steuerhormon TSH, indem sie seine Rezeptoren in der Schilddrüse besetzen. Sie übernehmen damit das Kommando über die Hormonproduktion. Der normale Regelkreis (Hypophyse schickt TSH, Schilddrüse gehorcht und produziert entsprechend der TSH-Menge) ist also außer Kraft gesetzt, die TRAK stimulieren die Schilddrüse zu Mehrproduktion und so entsteht die für MB typische Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose). Der Laborbefund zeigt ein nicht mehr messbares ("supprimiertes") TSH (weil das TSH ja nicht mehr in seine eigenen Rezeptoren kann, wo jetzt die TRAK sitzen), sowie erhöhte freie Hormonwerte (fT3 und fT4). Ist nur der TSH-Wert supprimiert und die freien Hormonwerte (noch) nicht erhöht, spricht man von einer latenten Überfunktion.

    (Eine Überfunktion kann auch andere Ursachen haben. Eine Schilddrüsen-Autonomie, eine postpartale Thyreoiditis oder eine akute Schilddrüsenentzündung erzeugen auch eine Überfunktion. Bei der diagnostischen Differenzierung spielt die Szintigrafie eine große Rolle.)

    D I A G N O S E
    (Laborwerte, Sonografie, Szintigrafie)

    L a b o r w e r t e (Hormonwerte, Antikörperwerte)

    1. Hormonwerte und ihr Referenzbereich

    FT4 (freies T4/Thyroxin) . . : Wert oberhalb der Referenzbereich-Obergrenze: manifeste Überfunktion
    Das T4 wird zur Gänze von der Schilddrüse produziert. Gemessen wird der aus der Eiweißbindung gelöste freie Anteil des T4 (fT4). Thyreostatische Medikamente (=Schilddrüsenhemmer) wirken auf die T4-Produktion, die sie auf chemischem Weg unterbinden.

    FT3
    (freies T3/Trijodthyronin): Wert oberhalb der Referenzbereich-Obergrenze: manifeste Überfunktion
    T3 ist das primär stoffwechselwirksame Schilddrüsenhormon. Ein kleiner Anteil entsteht in der Schilddrüse, der Rest wird im Körper aus T4 umgewandelt. Gemessen wird der Anteil des aus der Eiweißbindung gelösten T3 (fT3).

    TSH (das Steuerhormon): Wert unterhalb des Referenzbereich-Untergrenze oder nicht mehr messbar ("supprimiert"): Überfunktion
    Das TSH (thyreoida-stimulierendes Hormon) verhält sich den freien Werten gegenüber in gesunden Tagen wie eine Waage: Sind die freien Werte (fT3 und fT4) zu hoch, geht es in den Keller, sind fT3 und fT4 zu niedrig, wird es hoch. Bei MB wird dieser Regelmechanismus gestört, weil die TRAK das TSH verdrängen (s. oben). Daher gilt bei MB:

    Das TSH ist beim Ausbruch von Morbus Basedow dank TRAK-Aktivität eine Weile supprimiert (=unterdrückt, nicht messbar niedrig). Es bleibt oft auch dann noch supprimiert, wenn die freien Hormonwerte fT3 und fT4 infolge Hemmer-Therapie bereits wieder im Referenzbereich sind. Die Dosierung des Hemmers darf sich nicht am TSH alleine, sondern muss sich primär an den freien Werten (fT4, fT3) orientieren. Im Laufe der medikamentösen Therapie normalisieren sich die freien Hormonwerte, das TSH kommt aus der "Versenkung" und wird wieder messbar. Dies bedeutet, dass die TRAK-Aktivität abnimmt/langsam aufhört.

    Der Referenzbereich der Hormonwerte (TSH, fT3, fT4) ist von Labor zu Labor unterschiedlich. Daher bitten wir euch, die Werte immer zusammen mit dem jeweiligen Referenzbereich anzugeben. Für eine gute Beurteilbarkeit des Werteverlaufs während der Therapie sollten die Werte nach Möglichkeit immer im gleichen Labor gemacht werden.


    2. Antikörper-Werte

    Folgende Autoimmun-Antikörper kommen bei MB vor:

    TRAK........(TSH-Rezeptor-Antikörper), MB-spezifischer Antikörper, Auslöser der Krankheit
    TPO-AK ...häufig ebenfalls positiv, aber nicht spezifisch/beweisend für MB
    Tg-AK ......häufig ebenfalls positiv, aber nicht spezifisch/beweisend für MB


    S o n o g r a p h i e

    Die Sonographie stellt Größe und Beschaffenheit der Schilddrüse dar. Unter Hemmertherapie wird die Schilddrüse häufig größer. Bei einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung kommt es auf zwei Kriterien an: Wie homogen/einheitlich erscheint das Gewebe (Homogenität) und wie reflektiert es die Schallwellen (Echogenität). Die Schilddrüse ist bei MB typischerweise inhomogen und echoarm. Man erkennt auch Knoten per Ultraschall, ihre Qualität (heiße oder kalte Knoten?) jedoch ist nicht immer genau zu beurteilen.

    S z i n t i g r a p h i e

    Die TRAK stimulieren die Schilddrüse die zur vermehrten Hormonproduktion. Dafür braucht sie Jod, die MB-Schilddrüse ist "jodhungrig". Bei der Szintigrafie wird nicht Jod, sondern eine schwach radioaktive Substanz (Technetium 99) injiziert, die genauso "hungrig" wie Jod von der Schilddrüse aufgenommen wird. Man kann so die Intensität der Technetium-Aufnahme ("Uptake") in der Schilddrüse messen und so den Grad des (mehr)produktionsbedingten "Jodhungers" messen. Ein erhöhter Uptake-Wert ist typisch für MB. Die Aufnahme-Intenstität wird mit einer Gamma-Kamera farblich differenziert abgebildet.


    M e d i k a m e n t ö s e
    _ T h e r a p i e

    MB wird in der Regel zuerst durch eine ein-anderthalbjährige Therapie mit Schilddrüsenhemmern behandelt. Die geläufigsten Wirkstoffe (und Handelsnamen):

    • Thiamazol (in Thiamazol, Methizol, Favistan),
    • Carbimazol (in Carbimazol, wird in der Leber zu Thiamazol umgewandelt)
    • Propylthiouracil/PTU (in Propycil) - Einsatz nur noch bei absoluter Unverträglichkeit von Thiamazol/Carbimazol und evtl. im 1. Trimester einer SS.

    Ziel der Therapie:

    • Erreichen und Halten einer euthyreoten Hormonlage (=im Normbereich liegende Hormonwerte), wobei die Hemmerdosis laufend werteabhängig angepasst werden muss
    • Währenddessen beruhigt sich der Autoimmunprozess, ablesbar am Rückgang der TRAK.


    Nach Ablauf von 1-1,5 (evtl. 2) Jahren wird ein Auslassversuch (=Weglassen des Schilddrüsenhemmers) eingeleitet, der am besten in Form eines kontinuierlichen Ausschleichens ablaufen sollte. Bei erfolgreichem Auslassversuch spricht man von einer Remission. Tritt ein Rückfall (Rezidiv) in Form einer erneuten Überfunktion auf, kann man je nach Umständen eine zweite medikamentöse Therapie durchführen, oder eine sog. definitive Therapie (SD-Operation oder Radiojodtherapie (RJT)) in Erwägung ziehen. Die Rezidivrate ist ca. 50%.

    Kontrolle der Werte und der Hemmer-Dosis

    Laut Leitlinien der Inneren Medizin (S. 310) müssen (1) Kontrollen anfangs alle 2-3 Wochen (später bei bereits geringer Dosis in etwas größeren Abständen) stattfinden und (2) außer des TSH immer auch die freien Werte sowie Leberwerte und weißes Blutbild immer bestimmt werden. Die Dosis muss laufend den (freien) Werten angepasst werden, um eine durch zu hohe Hemmerdosis verursachte Unterfunktion zu verhindern.

    Eigene Maßnahmen

    • Jodvermeidung: --> Salz/Meersalz ohne Jodzusatz, keine Meerestiere, kein Kontrastmittel mit Jod, keine jodhaltige Medikamente oder Nahrungsergänzungen (am besten immer Beipackzettel durchlesen).


    Rezidivwahrscheinlichket nach medikamentöser Therapie?
    Die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv nach Therapie ist hoch, wenn:



    D e f i n i t i v e
    _ T h e r a p i e

    Wenn die medikamentöse Therapie ein- oder auch zweimal fehlschlägt *und* die Rezidivwahrscheinlichkeit höher als durchschnittlich ist, wird eine definitive Therapie angedacht, damit der Hauptangriffspunkt des MB endgültig und vollständig ausgeschaltet wird.

    • Die RJT ist kontraindiziert (1) bei Vorliegen einer Endokriner Orbitopathie (2) bei einer vergrößerten Schilddrüse und (3) bei dringendem Kinderwunsch (da die Dauer des Zerstörungsprozesses bei RJT unberechenbar ist und im Extremfall mehr als 1 Jahr oder länger andauern kann, und weil die TRAK nach RJT meist ansteigen).
    • Die Operation sollte eine sog. „near-total“ bzw. subtotale oder totale Operation sein. Da sich die für den Kalziumhaushalt verantwortlichen Nebenschilddrüsen und der Stimmbandnerv im/am Schilddrüsengewebe befinden, ist eine 100%-ige Entfernung selten möglich. Es dürfen jedoch nur minimalste Reste verbleiben.

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    Detaillierte Infos zur RJT und Operation findet ihr im
    unten folgenden 2. Beitrag dieses Beitragsbaumes!
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    Ü B E R_ D I E S E S_ F O R U M

    UNMODERIERTES LAIENFORUM: www.ht-mb.de wird inhaltlich nicht moderiert. Die Mitglieder sind Laien. Daraus folgt: Bitte kritischen Menschenverstand einschalten beim Lesen!!!
    KOMMUNIKATION: Die Forenregel untersagen die Verwendung der PN-Funktion (=Persönliche Nachrichten) für gesundheitsbezogene Ratschläge - aus gutem Grund. Was jemand euch per PN mitteilt, untersteht keinerlei Korrektur durch die Forengemeinde in der Weise, wie dies im öffentlichen Forum geschieht. Bittet also nicht um Raschläge per PN und wenn euch jemand so etwas anbietet, meldet es den Moderatoren unter --> Kontakt.
    SUCHE:
    Benutzt bitte die „Erweiterte Suche“ statt der einfachen „Suche“ (auch unter dem Menüpunkt „Suche“ erreichbar), sie bietet mehr Möglichkeiten. Dort könnt ihr (a) mehrere, mit "AND" verbundene Suchbegriffe) auf einmal eingeben, dadurch bekommt ihr passendere Ergebnislisten, und (b) die Suche auf das Unterforum „Morbus Basedow“ beschränken. ine Google-Suche, bei der ihr zu eueren Suchbegriffen die Zeichenkette "ht-mb.de" hinzufügt, was die Suche aufs Forum einschränkt, bringt hervorragende Ergebnisse.


    L I N K S
    In Hamburg gibt es eine Selbsthilfegruppe (--> Kontakt), die gerne neue MB-ler willkommen heißt!

    Allgemein

    www.basedow.ch
    ETA Richtlinien für die Behandlung von MB (European Thyroid Association 2018)
    Wichtigere/neuere Punkte aus den ETA Richtlinin auf Deutsch
    Medikamente/Vitamine/Nahrungsergänzungsmittel
    Typische Nährstoffmängel bei MB

    Kleine und größere Fallen bei Hormonsubstitution
    Die häufigsten Forumsirrtümer
    Heilige Kühe im Forum (die ersten 7 Seiten, danach leider zerredet)

    Symptome bei Überdosierung
    Hormoneinstellung: Symptome deuten
    Geändert von panna (10.06.20 um 13:15 Uhr) Grund: Danke an alle für Korrekturen/Ergänzungen!

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