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Thema: Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten - hier EEG

  1. #1
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    Standard Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten - hier EEG

    Hallo,

    habe mir u.a. dies in der Bibliothek ausgeliehen:

    Die Original-Zusammenfassung gab's hier schon mal im Forum (Original-Link nicht mehr verfügbar):
    http://www.ht-mb.de/forum/showthread...santer-artikel

    http://www.book-on-demand.de/shop/11184
    "Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten
    Eine Querschnittsuntersuchung langjährig behandelter Patienten
    Christian Scheffer (Autor)" von 2004 ISBN: 978-3-937343-72-3

    1. Das ist von 2004 und ich war der Meinung, dass die teilweise dort vorgenommenen (Psycho-)Zuordnungen als veraltet angesehen werden.

    2. Mich wundert, dass diese typische "von Null auf 180"-Aggressivität so gar kein Thema sein soll.

    3. Mich erschreckt (und höre das zum ersten Mal), dass längst bekannt ist, dass man im EEG von Basedoofen sehen kann, dass es durch die Schilddrüsenhormone unter Hyperthyreose (oder thyreotoxischer Krise) öfter zu einer ZNS-Schädigung kommen kann.

    Hat schon mal jemand wegen kognitiver (Basedow-)Probleme ein EEG machen lassen?

    Danke,
    sona

  2. #2
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    Standard AW: Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten - hier EEG

    Kannst du kurz schildern, welche Art von ZNS-Schädigung gemeint ist und wie sie zustande kommt?

  3. #3
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    Standard AW: Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten - hier EEG

    Schließe mich der Frage an. Denn Nervosität, Panik, Schlaflosikgkeit, Tremor .... und noch einiges mehr gehören alles zu den ZNS-Symptomen bei akutem Basedow, je nach Intensität der ÜF oder auch individuell stark ausgeprägt und genau diese Symptome verschwinden dann komplett.

    Die verlinkte Zusammenfassung (wie schön, kein einziger Absatz )erwähnt ja nur Befragungen und stellt fest, dass ein gewisser Grad der "phychischen Belastung" laut Antworten bleiben kann. Aber kann man auf Grund von Fragebögen feststellen, ob dieser gewisse Grad der psychischen Belastung nicht schon vor Basedow da war? wohl eher nicht bzw. man kann nur den Patienten befragen.

    Naja gut, also (ver)bleibende psychische Belastung bei Basedow auch in Euthyreose, woher kommt das, und da steht der Satz:
    Als Ursache werden eine ZNS-Schädigung unter Hyperthyreose, psychosoziale Belastungen infolge der Endokrinen Orbitopathie und eine erhöhte Stressvulnerabilität diskutiert.
    Diskutiert, und was noch? Ich meine, sollte man diese Auffälligkeiten während der hyperthyreoten Phase auch im EEG sehen - und ein bisschen davon auch noch später: Kann man ausschließen, dass man diese Auffälligkeiten schon vorher hatte?

    ***

    Hier steht was zu dem, was man im EEG bei akutem Basedow, je nach Schwere der ÜF, sehen kann - elektrische Aktivität des Gehirns ändert sich, auch die Rhythmizität der per EEG messbaren elektrischen Wellen (dieser Aktivität) verändert, Ursache: zu viele Hormone, was man im Tierversuch nachweisen konnte, indem man den Tieren ebenfalls zu viel Hormone gab. D.h. bei starker Überfunktion durch Hormonmissbrauch auch gegeben. Allerdings nur solange, wie der Hormonüberschuss besteht.
    https://books.google.at/books?id=CK_...%20EEG&f=false
    Geändert von panna (02.08.17 um 09:06 Uhr)

  4. #4
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    Standard AW: Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten - hier EEG

    Hallo Bienchen10,

    da ich den Teil öffentlich nirgends gefunden habe, kann ich es nicht zu 100% hier einstellen. Ich zitiere mal mit Literatur-Verweisen die für mich wichtigsten Passagen.
    Das gilt nicht für jeden und es wird teilweise auch relativiert.
    Aber für mich ging der kognitive Alptraum ca. 1/2 Jahr nach Thyreotoxischer Krise und Diagnose los - also mit erstmaliger Behandlung.
    Und wurde von den Ärzten negiert, als würde ich mir das einbilden. Wie gehabt. Und das ist dann besonders ärgerlich wenn es prinzipiell schon so lange bekannt ist (also ausserhalb der allein seeligmachenden DGE natürlich) :-(

    http://www.book-on-demand.de/shop/11184
    "Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten
    Eine Querschnittsuntersuchung langjährig behandelter Patienten
    Christian Scheffer (Autor)" von 2004 ISBN: 978-3-937343-72-3

    S. 91
    "
    6.8.1 Psychische Belastung auf dem Boden einer ZNS-Schädigung
    Fahrenfort et al.(2000) stellten bei ihrer Untersuchung von 303 Hyperthyreose-Patienten nach Therapie noch bei vielen vegetative und emotianelle Auffälligkeiten wie auch eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität fest. Sie vermuten daher eine organische Dysfunktion und führen eine endokrinologisch bedingte Schädigungen des Gehrins als Ursache sowohl für emotionale wie auch für kognitive Beschwerden an ("Endocrinological disturbances of the brain should explain both emotional and cognitive symtpoms" S.209) "). Diese Hypothese wurde auch von Perrild (1986) verteten. Er untersuchte die EEGs von insgesamt 26 Patienten mit Hypterthyreose nach einem Zeitraum von 10 Jahren.
    [...]
    Auch zehn Jahre nach Erstdiagnose zeigten unter den Patienten noch 40% leichte, sowie 28% mittelschwere Auffälligkeiten. Ausserdem ließ sich in Form verschiedener neuropsychologischer Tests eine intellektuelle Beeinträchtigung der Patienten feststellen. 55% wiesen mittelschwere oder schwere Defizite auf.
    [...]
    Perrid diskutiert als mögliche Erklärung für seine Befunde eine schädigende Wirkung der Schildrüsenhormone auf das ZNS während der Hyperthyreose. In dem Zusammenhang wirft er die Frage auf, ob es durch diese Schädigung zu einer vorschnellen Alterung komme.
    [...]
    Auch Bommer et al.(1990) fanden Einschränkungen in neuropsychologischen Tests bei behandelten, ehemals hyperthyreoten Patienten und vermuten eine Interatkion zwischen Schilddrüsenhormun und ZNS.
    Aufgrund der beschriebenen Ergebnisse ließe sich eine akute Schädigung des Gehirns unter der Stoffwechselentgleisung während der Hyperthyreose postulieren, die in vielen Fällen irreversibel ist und sowohl zu intellektuellen Einschränkungen wie auch zu psychologischen Auffälligkeiten führt.
    [...]
    Fahrenfort JJ, Wilterdink AML, Veen EAvd (2000): Long termin residual complaints and psychosocial sequelae after remission of hyperthyroidism. Pschoneuroendocrinology 25: 201-211.

    Perrild H. Hansen JM, Arnung K, Olsen PU, Danielsen U (1986): Intellectual impairment after hyperthyroidism. Acta Endocinol (Copenh) 112(2):185-91.

    Bommer M, Eversmann T, Pickardt R, Leonhardt A, Naber D (1990): Psychopathological and neuropsychological symptoms in patients with subclinical and remitted hyperthyroidism. Klin Wochenschr: 552-8.
    "

  5. #5
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    Standard AW: Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten - hier EEG

    Super spannend, danke für die Infos, sona

  6. #6
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    Standard AW: Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten - hier EEG

    Finde das auch sehr interessant.
    Mein SD-Arzt erwähnte einmal die schädigenden Einflüsse der Überfunktionen aufs Gehirn.
    Er erwähnte dies, weil ich ihn fragte, wie viele Rezidive möglich wären ohne OP.
    Da meinte er, es gäbe Menschen, die durch die ÜFs sogar Persönlichkeitsveränderungen erlitten.
    Ich habe bislang noch keine Puplikationen darüber gefunden.
    Danke Sona.

  7. #7
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    Standard AW: Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten - hier EEG

    Man findet schon Literatur dazu, aber wohl vorwiegend in Englisch.

    Das hier ist zum Beispiel teils einschlägig:

    http://onlinelibrary.wiley.com/doi/1...8.01774.x/full

    allerdings schreiben sie, dass die Daten speziell zu *bleibenden* kognitiven Beeinträchtigungen über die akute Phase hinaus inkonsistent sind:

    Although patients with hyperthyroidism frequently report cognitive symptoms that even persist beyond the acute phase (77), impairments have only been found inconsistently
    Etliches wird wohl auch reversibel sein - wobei, eine thyreotoxische Krise ist schon eine ganz andere Größenordnung ist als eine "normale" Überfunktion, stelle ich mir vor.

  8. #8
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    Standard AW: Psychosoziale Belastungen euthyreoter Basedow-Patienten - hier EEG

    Danke Panna,
    Da arbeite ich mich auch mal durch...
    Wirklich interessantes und wichtiges Thema.

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